Am 9. November 2007 feiert das wiedervereinigte Deutschland den nun mehr 18. Jahrestag der Maueröffnung. Im schwarz-rot-goldenen Fahnenjubel gehen dabei die Ereignisse des 9. November 1938, der sich inzwischen zum 69. mal jährt, völlig unter.
Was heute in den Geschichtsbüchern „Reichspogromnacht“ genannt wird, ist der vorläufige Höhepunkt antisemitischer Handlungen nach der Machtübernahme durch die NSDAP. Unmittelbar nachdem die Nationalsozialisten stärkste Kraft im Deutschen Reichstag wurden, und damit auch die Regierung stellten, begann man, die antisemitische Ideologie in die Tat umzusetzen. Von den anfänglichen Diskriminierungen und Ausgrenzungen aus dem öffentlichen Leben, wie zum Beispiel dem Ausschluss aus Kino und Theater bis hin zu Berufsverboten, kam es sehr schnell zur Errichtung von Konzentrationslagern (Dachau, 1933) und ersten Verhaftungen beziehungsweise Verschleppungen. Die Nürnberger Rassengesetze 1935 vollenden das formale Fundament zu den später folgenden Pogromen und der vollständigen Verdrängung jüdischen Lebens aus dem deutschen Alltag. So wurden beispielsweise Ehen zwischen Juden und Nicht-Juden verboten.
Am 9. und 10. November 1938 kam es schließlich deutschlandweit zu Pogromen gegen Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt, verhaftet oder getötet. Jüdisches Eigentum wurde beschädigt oder beschlagnahmt. Auch in Leipzig brannten zahlreiche jüdische Einrichtungen im Waldstraßenviertel und Innenstadtbereich, wie die Synagoge in der Gottschedstraße. Ebenso wurden jüdische Menschen zusammengetrieben mit dem Zweck sie später in Konzentrationslager wie Buchenwald und Dachau zu deportieren. Bei weiten nicht nur SA und andere staatliche Organe beteiligten sich an den Ausschreitungen, auch Teile der übrigen Bevölkerung nahmen aktiv und passiv daran teil.
Was hier als Höhepunkt bezeichnet wird, ließ jedoch den weiteren Verlauf der Umsetzung des wahnwitzigen Gedankens, die „Endlösung der Judenfrage“ zu erreichen, noch nicht erahnen. In einem geschichtlich unvergleichbaren Ereignis unter der Beteiligung und Duldung weiter Teile der Bevölkerung und der Deutschen Wirtschaft wurden jüdische Menschen aus ganz Europa zunächst zusammengetrieben und später systematisch vernichtet. Das Vernichtungslager Auschwitz, wo alleine 1 Million Menschen in den Gaskammern ermordet wurden, steht dafür exemplarisch. Erst mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht hatte der antisemitische und menschenverachtende Wahnsinn sein Ende gefunden. Trotz einiger Versuche, seitens deutscher Widerstandskämpfer, wie den Mitgliedern der Weißen Rose oder den Genossen der KPD und SPD, dem Nationalsozialismus ein Ende zu bereiten, oder ihn wenigstens zu sabotieren, gelang dies nicht. Zuletzt auch auf Grund einer hohen Sympathie und Beteiligung in der Bevölkerung für und am Nationalsozialismus .
Auch nach 1945 sahen und sehen sich jüdische Menschen ständigen Bedrohungen ausgesetzt. Mit der Gründung des Staates Israel, welche eine notwendige Konsequenz aus der Shoa war, entflammte der antisemitische Terror und Wahnsinn erneut. Hinter dem Deckmantel des Anti-Zionismus oder der Nicht-Anerkennung Israels steckt eine neue Gefahr für das Leben der Jüdinnen und Juden. Unmittelbar nach der Gründung kam es zu militärischen Angriffen verschiedener arabischer Armeen, welche versuchten den jungen Staat zu zerstören.
Spätestens seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 zog die anti-israelische Welle auch nach Europa. In Ost- wie Westdeutschland solidarisierten sich Gruppen mit den antisemitischen Aggressoren und riefen offen zum Boykott israelischer Waren auf. Die DDR-Propaganda bezeichnete Israel gar als Handlanger des weltweiten Imperialismus, der die arabischen Völker unterdrücke, und setzte es deswegen mit dem Nationalsozialismus gleich. Der moderne Antisemitismus versteckt sich zunehmend hinter der so genannten Israelkritik: Sei es das islamisch-fundamentalistische Bild eines großen Satans USA und eines kleinen Satans Israel, dem Glauben vieler Bürger Westeuopas, dass die größte Gefahr für den Weltfrieden von Israel ausgehe oder der andauernde Vergleich der israelischen mit der nationalsozialistischen Politik. All diesen ist gemeinsam, es geht gegen Israel, es geht gegen die Juden.
Jedoch zeigen moderne Auswüchse des Antisemitismus, wie etwa die beinahe tägliche Schändung jüdischer Grabstätten weltweit, die Bedrohung jüdischer Publizierender, die andauernden Angriffe auf israelische Siedlungen durch militante Palästinenser sowie die schlichte Behauptung, die Juden wollen aus ihrer „Opferrolle“ Profit ziehen, die alltägliche Dimension des Wahnsinns. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Shoa muss zwingend zu dem Ergebnis kommen, dass ein wirksamer Schutz gegen alle Spielarten des Antisemitismus nur in der selbstständigen und souveränen Verteidigung der Juden bestehen kann, eben dies ist nur möglich durch den Staat Israel und dessen Streitkräfte.
Bei der heutigen Kundgebung geht es um die Etablierung einer Filiale der rechtsextremen Modemarke „Thor Steinar“ in der Leipziger Innenstadt. Nicht zuletzt durch die Kleidung und deren Symbole wird eine völkische Gesinnung in die Mitte der Gesellschaft getragen, welche auf den Elementen Antisemitismus und Rassismus aufbaut. Der Protest gegen das Tønsberg ist damit ein notwendiger Schluss aus den Konsequenzen eines „Wehret den Anfängen“ „Damit Auschwitz sich nicht wiederhole“. Wir fordern die Gesellschaft auf, sich mit ihren antisemitischen und rassistischen Tendenzen auseinanderzusetzen. Damit schließen wir auch die Deutsche Linke ein, für die es immer noch selbstverständlich ist, sich eher mit angeblich unterdrückten Völkern, als mit emanzipatorischen Bewegungen zu solidarisieren.

Wir fordern daher Solidarität mit Israel und eine wirksame Bekämpfung jeglichen antisemitischen Denkens und Handels.