Am 2. Juni demonstrierten in Rostock um die 80000 Menschen gegen die Politik der G8 und den Kapitalismus, dabei kam es zu Ausschreitungen mit der Polizei. Schnell waren die Schuldigen gefunden: in Schwarz gekleidete Autonome des black block. Während selbst ernannte Experten im Fernsehen, Radio und den Zeitungen die Autonomen als „Chaoten“ und „Krawalltouristen“ bezeichnen, reden Politiker bereits von der massiven Verschärfung des Versammlungsgesetzes. Gummigeschosse sollen gegen Demonstranten eingesetzt werden, Unterbindungsgewahrsam von mehreren Wochen ist im Gespräch und auch der Einsatz von Spezialtrupps der Polizei, wie etwa der Anti-Terror-Einheit GSG9.
Dabei ist es egal ob die Forderungen von SPD, CDU oder Grüne kommen, was sie vereint ist die einseitige Schuldzuweisung an die Autonomen. Doch was ist wirklich geschehen bzw. was passiert auf fast jeder linken Demonstration in Deutschland? Von einem deeskalierenden Konzept ist die Rede, von einer friedlichen Polizei, schaut man zurück nach Rostock kann man hierüber nur mit dem Kopf schütten. So hielt sich die Polizei zwar anfangs zurück, war jedoch stets präsent, in Form von ständiger Videoüberwachung und vereinzelnden Beamten in Kampfmontur wie z.B. der Sondereinheit USK aus Bayern. Als die Demonstration den Stadthafen erreichte kam es zu schweren Auseinandersetzungen, dabei drängte die Polizei in die Demo, setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein, später wurden Wasserwerfer
aufgefahren, Tränengasgranaten in die Menge geschossen und der Platz geräumt 1 Einige Demonstrierende bewarfen ihrerseits die Beamten mit Wurfgeschossen. Die Reaktion aus den Medien und der Politik ist
eindeutig: Demonstranten hätten schwere Verletzungen hervorgerufen oder diese gewollt, nun ist es aber fraglich welchen Schaden Wurfgeschosse bei einer voll gepanzerten Polizei auslösen können, hingegen der Einsatz des Schlagstocks gegen die Köpfe von Menschen, welche wohl bemerkt keinen Schutz haben, schwere Kopfverletzungen wie Platzwunden, Prellungen, Brüche und Gehirnerschütterungen auslösen können und dies auch taten. Genauso kann der der massive Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern Panik hervorrufen, in deren Folge es zu weiteren Verletzungen kommen kann.
Es kann also keine Rede davon sein, dass sich die Polizei friedlich und deesklalierend verhalten hat, sie trägt mindestens eine Mitschuld an den Ausschreitungen, hat diese vor allem durch ihr gewalttätiges Verhalten und martialisches Aussehen provoziert. Während eines Interviews im Deutschlandradio äußert sich ein Münchner Polizeipsychologe zu den Ausschreitungen und wirft der Polizei eine „veraltete Taktik“ vor. So hätten die Beamten mit ihrem Aussehen Gewalt provoziert, welches eher
an die Uniformen von „Marines“ erinnerte.2 Bereits kurz nach den Rostocker Aktivitäten waren alle Schlagzeilen gefüllt mit Meldungen wie „Autonome verwüsten Rostock“, dabei kann man erst in diesen Tagen wieder etwas Nüchternheit feststellen. Es ist die Rede von deutlich weniger Verletzten, vor allem die Anzahl der Schwerverletzten musste nach unten korrigiert werden. Die zahlreichen verletzten Beamten gehen größtenteils auf so genanntes „friendly fire“ zurück,so wurden zahlreiche Polizisten durch ihr eigenes Gas verletzt. Auch die Sachschäden sind verhältnismäßig gering. Nun fragt sich, wem nützen die Bilder und Schlagzeilen von den Krawallen? Hardliner aus SPD und CDU nutzen diese nun um ihre autoritären Vorstellungen von Staat und Ordnung umzusetzen, der diskutiere Einsatz von Gummigeschossen, dem
Uniformverbot für Autonome oder aber auch der Anklage wegen versuchter Tötung für Steineschmeißer fallen darunter.3
Unter dem Motto „Wer von Gewalt spricht, kann über Kapitalismus nicht schweigen“ demonstrieren wir heute hier. Dabei geht es uns nicht nur um eine Position zu den Ausschreitungen von Rostock, sondern auch um die Fixierung der Öffentlichkeit auf die alltägliche Gewalt im Kapitalismus. Jeden Tag sterben Menschen an Unterernährung, jeden Tag töten Menschen andere mit Waffen, mit welchen wieder andere Geld verdienen, immer mehr Menschen fallen dem Verwertungsprinzip des Kapitalismus zum Opfer, können auf Grund von Alter, Geschlecht, Familie oder Behinderung keinen Platz mehr in der Gesellschaft finden und sind zum Leben am Existenzminimum gezwungen. Die Ausschreitungen in Rostock sind auch das Bild einer Gesellschaft die auseinander bricht, einer Welt die nach Wandel schreit, diesen Kontext nicht zu beachten ist unverantwortlich. Wir distanzieren uns ausdrücklich nicht von den militanten Demonstranten, es geht um eine kreative vielfältige Protestkultur, die Unterteilung in gute und böse Demonstranten machen wir nicht mit. Organisationen aus dem bürgerlichen und linksliberalen Spektrum, besonders Attac werfen wir vor, sich den Forderungen aus Medien und Politik anzubiedern, damit wird ihre politische Legitimation fraglich. Es geht uns nicht um die Reformierung des Bestehenden, es geht uns um etwas anderes, etwas völlig anderes:
Kapitalismus ist nicht reformierbar, es gilt daher die Überwindung hin zu einer Welt der „Freien und Gleichen“4, dem Kommunismus, zu erreichen.

1 http://de.indymedia.org/2007/06/181018.shtml
2 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kulturinterview/631797/
3 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,487149,00.html
4 Zitat nach Karl Marx