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Antifa-Demo am 3. Oktober in Borna

Flyer für die Antifa-Demo am 3. Oktober 2007 in Borna

Für den 3. Oktober 2007 hat der Anführer der Kameradschaft Borna, Peter Kühnel, eine Neonazidemonstration unter dem Motto „Deutschland ist größer als die BRD“ angemeldet. Dies ist in diesem Jahr bereits die zweite Demonstration seitens des braunen Mobs, die versucht menschenverachtende und überspitzt (sic!) nationalistische Ideen in Borna zu verbreiten. Nachdem die erste am 13. Februar diesen Jahres zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens und somit zur Verdrehung der Geschichte stattfand, versucht man sich diesmal mit antikapitalistischen Parolen. Da die erste Demonstration auf großen Widerstand für Bornaer Verhältnisse stieß, jedoch trotzdem ohne große Umschweife von den Bullen durchgeprügelt wurde, ist es diesmal um so wichtiger mehr als die Dumpfbacken zu sein! Empfehlenswert ist, nicht mit dem Zug anzureisen, da die Neonazis ihre Route 11:00 Uhr vom Bahnhof starten.

Treffpunkt: 10:00 Uhr, Borna Markt

+++ Utopia – Straßenfest für eine linke Jugendkultur +++

Am 21. Juli ist es mal wieder soweit, der Berufsdemonstrant Christian Worch kommt zurück nach Leipzig. Nachdem es in der letzten Zeit vermehrt Niederlagen hagelte (im wahrsten Sinne des Wortes), kündigt er diesmal eine Demonstration vom Bahnhof Stötteritz zum Völkerschlachtdenkmal an. Natürlich gilt es sich diesem unsäglichen Treiben in den Weg zu stellen, doch auch am Vorabend des 21. Juli wird es einen Anlass geben, bereits die Leipziger Innenstadt aufzusuchen. Wir, die neu gegründete „Antinationale Gruppe Leipzig“ (agl) wollen mit euch zusammen ein buntes, linkes und lautes Spektakel in der City feiern. Unter dem Motto „Utopia – Straßenfest für eine linke Jugendkultur“ werden Bands spielen, wird es Workshops und außerdem einige spannende Contests und Spiele geben. Es gilt konkret den Alltag in der City zu verändern, linke Politik und Inhalte sollen das Zentrum erreichen, wir wollen Raum, in einer durch Konsum und Verdrängung sozialer Projekte geprägten Innenstadt, für Diskussion, Party und Politik, wenigstens temporär zurückerobern.

< < Linke Freiräume schaffen und verteidigen >>

Soziale, nichtkommerzielle und selbstverwaltete Freiräume werden regelmäßig von Polizei und Behörden angegriffen und später geräumt. Beispiele dafür findet mensch überall: Das autonome Zentrum „Ungdomshuset“ und der alternative, besetzte Stadtteil Christiania in Kopenhagen, die „Köpi“ und die Rigaerstraße 84 in Berlin, aber auch die Gieszerstraße (G16) und das „Plaque“ in Leipzig. Hierbei handelt es sich um Wohn- und Kulturprojekte die seit Jahren Platz für eine alternative Lebenskultur schaffen und teilweise auch Bestandteil der Jugendkultur sind. Doch in einer Stadt wie Leipzig stehen andere Gewichte im Vordergrund. Bei dem Versuch die Olympiade auszutragen, der begeisterten und erfolgreichen Bewerbung als FIFA WM Stadt 2006 und dem Bau des Citytunnels kann mensch sehr schnell erkennen, dass die finanziellen Schwerpunkte und Förderungen so gesetzt werden, dass oftmals kein Platz für linke und soziale Projekte bleibt. Die moderne Stadt muss sich im Kapitalismus behaupten, gezielt werden einzelne Stadtteile modernisiert, Mietwohnungen aufwendig und teuer saniert, damit für viele Menschen unerschwinglich, ärmere und nicht in ein modernes Stadtbild passende Menschen werden zunehmend an die Ränder gedrängt und alternative Kulturprojekte wie die Feinkost Leipzig durch Nobeldiskotheken ersetzt. Die Umstrukturierung hat vor allem die Ausgrenzung anscheinend nicht verwertbarer Menschen und Räume zur Folge. Diese Entwicklungen zeigen die menschenfeindlichen Tendenzen der kapitalistischen Verwertungslogik und geben Anlass zur Kritik. Auf Grund der globalen und gesellschaftlichen Beschaffenheit des Kapitalismus sind diese Prozesse natürlich nicht auf Leipzig beschränkt, auch andernorts kämpfen Menschen um die Erhaltung linker und sozialer Freiräume. So konnte zum Beispiel im französischen Dijon die Räumung des Autonomen Zentrums „Des Tanneries“ verhindert werden. Hierin sehen wir auch ein zentrales Handlungsfeld linker Politik in Leipzig: Das Erkämpfen und Erhalten sozialer Räume und die Verhinderung von Umstrukturierung und Ausgrenzung im Stadtalltag. Doch nicht nur die kapitalistische Praxis macht den Alltag von Tag zu Tag schwerer, einige Stadtteile von Leipzig sind bereits heute durch ein rechtsextrem geprägtes Straßenbild gekennzeichnet. Linke, Nicht-Deutsche und andere, nicht in das totalitäre Weltbild der Neonazis passende Menschen finden hier weder Raum noch Sicherheit. Diese Entwicklungen müssen vor allem ein solidarisches, kämpferisches Handeln möglichst breiter gesellschaftlicher Schichten gegen die Nazis zur Folge haben. Linke Zentren und Jugendklubs wie z.B. das „AJZ Bunte Platte“ in Grünau, die sich den Nazis verschließen, bedürfen einer Unterstützung und unserer Solidarität. Für Utopie, Phantasie, Kreativität und gemeinsames Diskutieren und Feiern braucht mensch jedoch neben vielen FreundInnen und GenossInnen zunächst eines, viel Platz und Freiräume.

>> Utopia – Das Land der Ferne <<

Spätestens seit dem Untergang des real existierenden Sozialismus heißt es immer wieder, das Ende der Geschichte sei mit dem Kapitalismus erreicht. Beweis dafür konnte jedoch nicht der Triumph der Markt- und Tauschgesellschaft über Probleme wie Armut, Hunger und soziale Ungerechtigkeit sein, sondern viel mehr der Untergang des Ostblocks und damit auch der, als Alternative zum globalen Kapitalismus geltenden Planwirtschaft. Theorien, Phantasien und Gesellschaftsentwürfe die über das Bestehende hinausgehen sind jedoch nicht in Vergessenheit geraten, gleichwohl sie keine große Verbreitung in der Gesellschaft und insbesondere auch unter jungen Menschen finden. Die Mobilisierung zu den G8 Protesten in Heiligendamm zeigen jedoch u.a. dass es viele junge Menschen gibt, die anscheinend mit dem Bestehenden nicht zufrieden sind. Gleichwohl eine Gesellschaftskritik weit über die symbolische und personifizierte Kritik der GlobalisierungskritikerInnen hinausgehen sollte, kann das Interesse und die Beteiligung an diesen Protesten als Basis für Kritik am Ganzen verstanden werden. Im Zeitalter des modernen Kapitalismus fällt es schwer utopische Gesellschaftsentwürfe zu skizzieren, sind sie doch immer auch Bestandteil bzw. Kategorie des falschen Ganzen, dennoch muss es darum gehen, eine radikale Gesellschaftskritik zu formulieren. „Eine andere Welt ist möglich“, heißt es oft bei den großen Demonstrationen der GlobalisierungskritikerInnen. Tatsächlich steckt dahinter jedoch meist nur ein sozialdemokratischer Reformismus, eine Hinwendung zu mehr Staat, mehr Regionalität und mehr Kollektivität. Die Überwindung von Staat, Nation, Volk und Heimat, sowie die Befreiung des Individuums vom Kollektiv findet dagegen
nur selten Beachtung. Genau darum soll es aber gehen, eine andere Welt ist nicht in den Kategorien des falschen Ganzen zu denken sondern nur in seiner vollständigen Negation. Kritik am Bestehenden ist daher eine Grundvoraussetzung für die Wiederentdeckung der Utopie, der Phantasie und der Kreativität.

Gleichwohl es uns mit diesem Event nicht gelingen kann der Kulturindustrie zu entrinnen wollen wir mit euch ein buntes, kreatives und vor allem spaßiges Fest feiern. In diesem Sinne…

Für ein ganz anderes Ganzes, Nie wieder Deutschland

antinationale gruppe le (agl), juni 2007
ag-leipzig@no-log.org